Zukunftsangst

Zu unserem Jahresthema Zukunft beobachtete ich in unserer letzten Klausurtagung eine spannende Diskussion. So hatte ich den Eindruck, dass der eine oder andere ältere Bruder eben nicht nur Bedenken zum aktuellen Zeitgeschehen hat, sondern auch schlichte Angst. Es lag für mich nahe das Thema Zukunftsangst zu wählen. Mein Ziel war es zu zeigen, dass es keinen Anlass zu Angst gibt. 

Dann jedoch machte mich mein lieber Bruder H. darauf aufmerksam, dass man sein Thema für eine Zeichnung nicht ohne Grund wählt und es oft auch eine Seite von uns selbst offenbart. Zwar vermutete ich schon vor diesem Gespräch mit dem erwähnten Bruder, dass ihm mehr Weisheit innewohnt als mir, nun überwältigte mich jedoch die Erkenntnis, dass meine Vermutung richtig war und er einen absoluten Volltreffer bei mir landete. Touché lieber Bruder H.. Mögest du bitte noch lang und gesund in meiner Nähe bleiben.

Vielmehr möchte ich euch liebe Brüder mitteilen, was Freimaurerei durch das Logenleben in Konrad Ekhof in mir bewegte. Als mir am 04. April die Worte „Erkenne dich selbst“ zugerufen wurden, wusste ich nicht welche Veränderungen in meinem Leben stattfinden würden. Ich will euch später gern von diesen Veränderungen berichten. An diesem 4. April jedoch hatte ich ebenfalls so etwas wie Angst. Angst vor der unmittelbaren Zukunft, dem Aufnahmeritual.

Natürlich hatte ich im Internet Recherchen angestellt und dennoch, auf die Emotionen im Moment des Erlebnisses selbst, vermag sich der Mensch nicht vorzubereiten. Ich wusste jedoch, dass ich auch ohne mein Augenlicht von guten Menschen, insbesondere von meinem lieben Freund und Bruder S. umgeben war und das mir an diesem Abend nur Gutes widerfahren würde. Es war ein Gefühl das ich Urvertrauen nennen würde. Es ist möglicherweise das gleiche Urvertrauen, dass uns in einem Schneesturm weiter mit dem Auto fahren lässt obwohl wir nur die nächsten 30m mit unseren Scheinwerfern erhellen können. So fahren wir doch weiter hin zum Ziel, da jeder das Vertrauen in sich kennt und fühlt im richtigen Moment schon die richtige Entscheidung zu treffen. Das ist in einem Schneesturm manchmal einfacher wenn es darum geht eine Entscheidung innerhalb von Sekunden zu treffen, um nicht zu verunfallen, als wenn man einige Tage oder sogar Wochen Zeit hat über eine nicht weniger wichtige Angelegenheit nachzudenken, insbesondere wenn Sie das Leben gravierend verändern könnte.

Ich würde das Gefühl damals in den Monaten vor dem 04. April schon als Angst beschreiben wollen. Angst der Freimaurerei nicht gerecht zu werden. Nicht genau zu wissen was von mir überhaupt erwartet wird. Wie soll man die Antwort geben, wenn man die Frage nicht kennt?

Vielleicht ist es eben diese Überwindung die dem jungen Suchenden abverlangt wird, angesichts der Tatsache weniger zu wissen was ihm bevorsteht, dem Unbekannten, dem Ungewissen eben dennoch drei Mal kräftig und entschlossen anzuklopfen, um herein gebeten zu werden.

Auch während meiner Aufnahme war ich alles andere als entspannt. Mein Bruder M. wird sich genau erinnern wie fest ich seine Hand hielt, als er mich reisen ließ. Ich war ohne Orientierung, ohne Wissen ohne Licht und dennoch voller Vertrauen in meine Umgebung. Ich erinnere mich gern an diesen Moment, denn er lehrte mich etwas ganz Wichtiges, beinahe etwas überlebensnotwendiges. Ich muss nicht immer sofort alles sehen, alles wissen, das Ergebnis kennen, den Ausgang erfahren haben, um entscheiden zu können. So hat die Freimaurerei etwas ganz wunderbares mit mir getan. Etwas das ich von Außen nicht erwartet hätte. Sie hat mir keine Kraft und keinen Mut geschenkt, aber Sie hat mir gezeigt, dass sich im Leben die Möglichkeiten ganz offensichtlich bieten Mut zu zeigen um seine Angst zu besiegen, Kraft und Potential in sich zu entdecken, selbst zum Baumeister seines Lebens zu werden und nicht darauf zu warten, dass sich die Umwelt um mich herum zu einer für mich günstigeren Konstellation verändert.

Schon als junger Bursche las ich die Zeilen „Der eine wartet bis die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt.“ von Dante Alighieri. Ich selbst glaube an die sich selbst erfüllende Prophezeiung von Gedanken, die sich in unserem Handeln manifestieren.

Insofern wollte ich meiner Zeichnung nicht mit Definitionen und vielseitigen Arten von Angst spicken. Ich wollte auf keinen Fall all die Dinge aufzählen vor denen der Mensch in der Zukunft Angst haben könnte oder vielleicht sogar sollte. In den vergangenen Jahren hat mich die Angst nicht allzu selten gepackt. Angesichts meiner beruflichen Herausforderungen, meiner Verantwortung gegenüber anderen Menschen, der Zukunft meiner Eltern, der eigenen Zukunft habe ich im Sommer 2009 und auch im Herbst 2010 nackte Angst verspürt.

Grundsätzlich bin ich ein Mensch mit positiven und lösungsorientierten Denkmustern. Es war kein Zufall, dass mein lieber Bruder S. die phänomenale Idee hatte mich in die Loge Konrad Ekhof einzuladen, denn er hörte einmal gut zu als ich ihm erzählte, dass mich dieses Thema interessiert. Ich selbst habe um die Aufnahme gebeten und nun eine große Hilfe, einen Maßstab, einen Orientierungspunkt gefunden, der mir half aktiv an mir zu arbeiten.

Z. B. seit dem 01. Juni genau 29 kg abzunehmen. Inzwischen zu meiner Sportlichkeit aus meiner Jugend zurück gefunden zu haben. Einen gemeinnützigen Verein gegründet zu haben, um meine schöpferische Kraft zu nutzen und Gutes in dieser Welt zu bewegen.

Es klingt wie ein Witz aber ich vernahm in der ersten Tempelarbeit nach meiner Aufnahme im Mai die Worte „Weisheit, Stärke und Schönheit“. Es klingt profan, aber ich erinnere mich genau an meine Gedanken an diesem Tag, die meinem 106 kg schweren Körper entsprangen: „Jetzt sitze ich hier in diesem Tempel und will ein Freimaurer sein. Aber ich bekomme es seit Jahren nicht hin endlich abzunehmen und Sport zu machen, ich fange einfach mit dem Thema Schönheit an. Das ist leicht.“

Welche Veränderungen in meinem Leben, insbesondere welche Wirkung meine Erscheinung beim zarten und schönen Geschlecht auslösten will ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen müssen. Meinem Bruder S. bin ich unendlich dankbar, dass er seiner Intuition folgte und die Entscheidung traf mich anzusprechen, mich einzuladen und das Potential in mir vermutet zu haben, dass ich das Geschenk der Freimaurer annehmen würde.

Die Kraft, die in mir wächst nutzte ich jüngst, um an Weihnachten meine Familie in Brandenburg zu besuchen. Meine Mutter hatte ich inzwischen seit 7 Jahren nicht gesehen. Sie ist psychisch sehr krank und hat mir keine schöne Kindheit beschert, obgleich Sie aufgrund Ihrer Krankheit nichts dafür konnte. Ich erinnere mich genau an einen Nachmittag. Ich muss vermutlich 9 oder 10 Jahre alt gewesen sein. Ich versteckte mich in den Feldern unseres großen Grundstücks vor meiner Mutter, weil sie grundlos böse zu mir war.

Einmal weinte ich 3 Tage am Stück angesichts der Tatsache, dass ich meinem Leben schlicht ausgeliefert bin. Meine Mutter ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt der bösartigste Mensch auf der Welt war, mein Vater der zu sehr mit sich, seinem Alkoholismus beschäftigt war und längst das Weite gesucht hatte und dennoch, zwar war ich jung und unfähig etwas zu ändern aber ich wusste, dass etwas Gutes geschehen würde, dass sich meiner schrecklichen Kindheit, die mein Kinderherz zu früh zerbrechen ließ, etwas Gutes anschließen wird, dass ich reich, ein angesehener und erfolgreicher Mann werden müsse, da das alles sonst keinen Sinn ergeben hätte.

Heute bin ich Arbeitgeber, habe wunderbare Freunde und viele neue Brüder. Meinen Eltern habe ich inzwischen verziehen, weil ICH nun entscheide, mein Leben bestimme und mich niemandem mehr ausgeliefert fühle. Ich wohne in einer Penthousewohnung in einer der schönsten Städte der Welt, bin gesund, zwar noch nicht reich, aber erfolgreich und auf einem guten Weg. Ich bin ein Freimaurer und gottesfroh wie dankbar an jenen Tagen vor 20 Jahren dieses Urvertrauen in mir verspürt zu haben, das alles ein gutes Ende finden würde und genau heute zu wissen, dass es nichts in diesem Universum gibt, dass mir wirklich Angst machen muss, weder die Vergangenheit, die Gegenwart, noch die Zukunft und auch nicht der Tod.

Des Maurers Wandeln,
es gleicht dem Leben
und sein Bestreben,
es gleicht dem Handeln
der Menschen auf Erden.

Die Zukunft decket
Schmerzen und Glücke
schrittweis dem Blicke;
doch ungeschrecket
dringen wir vorwärts.

Und schwer und ferne
hängt eine Hülle,
mit Ehrfurcht, stille
ruhn oben die Sterne
und unten die Gräber.

Betracht‘ sie genauer
und siehe, so melden
im Busen der Helden
sich wandelnde Schauer
und ernste Gefühle.

Doch rufen von drüben
die Stimmen der Geister,
die Stimmen der Meister:
Versäumt nicht zu üben
die Kräfte des Guten!

Hier winden sich Kronen
in ewiger Stille,
die sollen mit Fülle
die Tätigen lohnen!
Wir heißen euch hoffen.

Das Gedicht „Loge“ von Johann Wolfgang von Goethe

 

 

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