26. April 2015

Freimaurerei – Königliche Kunst, ohne Zukunft?

Welch ein Gewinn für unsere Gesellschaft, daß unser kürzlich neu gewählter Bundespräsident sich bei der Ansprache zu seiner Vereidigung öffentlich zur Mitgliedschaft im Bunde der Freimauer bekannt hat. Noch immer bin ich tief ergriffen von seinen gewählten Worten, mit denen er beschrieb, daß er die wahren Werte seines politischen Handelns und für seine neue Verantwortung in der Schule zur Königlichen Kunst – der Freimaurerei – erlernt habe.
Ich erinnere mich noch an sehr alte Zeiten, in denen wir Freimauer maximal öffentlich in Erscheinung traten, wenn ein Prominenter wie Peter Maffey für sein Lebenswerk geehrt wurde und einen Preis erhielt. Politisch war es zu jener Zeit mehr en vogue, sich öffentlich zu seiner Homosexualität zu outen.
Wenn ich heute meinen Enkelkindern von den Aktivitäten im Konrad Ekhof Logenleben berichte, schauen Sie mich immer mit großen Augen und voller Unverständnis an, als wollten Sie sagen: „Nicht zu glauben, dass es tatsächlich auch Zeiten gab, in denen Freimaurer in ihren Logen arbeiteten, ohne dass die Gesellschaft Notiz davon nahm.“
Tue Gutes und rede darüber! – Wahrhaftig hilfreich, es beherzigt zu haben.
Wie klein, wie schmächtig, wie unfähig, ja fast kleingeistig es mir heute vorkommt, dass es Zeiten gab, in denen ich selbst Zweifel daran hatte, ob es Freimaurerei in Deutschland in 25 Jahren überhaupt noch geben würde.
Manch einer der älteren Brüder unter uns wird ähnlich belustigt sein wie ich, wenn er zurück denkt. Damals bedurfte es des Aufrufs der Großloge zum „Ziel Zehntausend“. Seinerzeit ein kontrovers diskutierter Ansatz, die Freimauerei in Deutschland vor dem Aussterben zu schützen. Für die Jüngeren unter uns zur Information: Ziel war es, eine 5-stellige Anzahl von Logenmitgliedern in Deutschland zu erreichen.
Wie schön, dass die Anzahl der Brüder in deutschen Logen erstmals vor 5 Jahren die Zahl 100.000 überschritten hat.
So oder so ähnlich, meine lieben Brüder, könnte im Jahr 2036 meine Festschrift zum 125 jährigem Stiftungsfest dieser sehr ehrwürdigen Freimaurerloge Konrad Ekhof Nr. 601, gestiftet am 12.März 1911, beginnen. Ein Blick in die Zukunft der Freimaurerei in Deutschland.

Zukunft, was ist das eigentlich?
Mein Definition:
1) Erstens: Das neue Jahresthema der Loge Konrad Ekhof
2) Offiziell gemäß Wikipedia: Ist die Zukunft die Zeit, die subjektiv gesehen der Gegenwart nachfolgt. Die Wissenschaft von der Zukunft ist die Futurologie.
3) Robert Jungk, erster Zukunftsdenker und Erfinder von Zukunftswerkstätten, schrieb 1952: „Das Morgen ist schon im Heute vorhanden, aber es maskiert sich noch als harmlos, es tarnt und entlarvt sich hinter dem Gewohnten. Die Zukunft ist keine sauber von der jeweiligen Gegenwart abgelöste Utopie: die Zukunft hat schon begonnen. Aber noch kann sie, wenn rechtzeitig erkannt, verändert werden.“
4) Meine persönliche Zukunft: Im Jahr 2036 zum 125 Stiftungsfest bin ich 70 Jahre alt, meine Frau, das verrate ich nicht, Jeannine meine Tochter 44 (so wie ich heute), Connor 40 und Flo der jüngste ist 32 Jahre, wenn nichts dazwischen kommt. Darunter kann ich mir, für meine Zukunft, konkret etwas vorstellen.
Anleihen für die Zukunft erhalten wir heute durch den Blick in die Vergangenheit. Neudeutsch im modernen Management heißt es: „Was sind die lessons learned?“
Die Loge ist der Ort, an dem Brüder aller Grade – Lehrling, Geselle, Meister – unterschiedlichster Herkunft und Bildung vorurteilsfrei aufeinander treffen. Ein idealer Ort zum Üben und Lernen. Seminare, Lehrlings-, Gesellen- und Werkunterricht tun ein Weiteres. Manch einem Besucher unserer Gästeabende habe ich schon gesagt, in der Loge kann fast kostenlos erlernt werden, wofür in Managementseminaren enorm viel Geld ausgegeben wird – das „Erkenne dich selbst“ und der „Umgang miteinander“.
Wer mag, erhält Einblicke in die Vorgeschichte und die Entstehungsgeschichte der modernen Freimaurerei mit beliebigem Tiefgang.
Lese ich nach, über das Zeitalter der Humanität in Deutschland, so erhalte ich Immanuel Kant’s klassische Antwort auf die Frage: „Was Aufklärung ist?“
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Heute so aktuell wie damals.
Unbestritten, dass Humanisten und Aufklärer unsere Gegenwart sowie die Zukunft entscheidend beeinflussten. Durch die Loslösung von Theologie und Mythologie ist der Beginn der Selbständigkeit der Wissenschaft, besonders der Naturwissenschaft zu sehen. Gerade diese wurde im Mittelalter stark vernachlässigt. Aus dieser Epoche trat die Freimaurerei mit ihren noch heute gültigen Grundformen und Grundsätzen hervor. Nachzulesen bei Walter A.Berendsohn, in “Die Idee der Humanität in Vergangenheit und Gegenwart“.
Loslösung und Abkehr von der Theologie bringt mich meinem nächsten Steckenpferd entgegen. Dem Verhältnis zwischen Kirche und Freimaurerei.
Auch wenn gemäß den Alten Pflichten Themen wie Politik und Religion in den Logen nichts zu suchen haben, so empfinde ich es doch als Privileg mit dem Bruder Rolf Appel einen Zeitzeugen in Sachen Religion zu erleben. Ein Bruder der das Verhältnis und damit die Zukunft zwischen Kirche und Freimaurerei aktiv beeinflusst hat. Spannend und hoch interessant für mich nachzulesen, wie oft und wie intensiv Bannbulle für Bannbulle gegen Freimaurer neu aufgelegt wurde.
Ebenso verrät der Blick in die Vergangenheit, dass es durchaus Einfluss, wie entscheidend auch immer, der Freimaurerei auf so wichtige Ereignisse wie die französische Revolution gab.
So heißt es im Buch „Kirche und Freimaurerei im Dialog“: „Die einen sahen hinter dem Ereignis der frz. Revolution ein Zeichen dafür, daß die Freimaurer über den Weg grausamer Revolution die Macht in der Welt ergreifen wollten, die anderen sehen in der Beteiligung von Freimaurern bereits etwas Böses, und schließlich gibt es Gutmeinende, die den Einfluß der Freimaurer bei der großen Französischen Revolution weit überschätzen und falsch bewerten.“
Die Gewissheit, für meine Zukunft als Freimaurer und Katholik, nach meinem irdischen Dasein doch nicht im Fegefeuer zu enden, wirkt beruhigend.
Eine weitere Anleihe für die Zukunft ist der 1987 erschienenen Festschrift aus Anlass des 250jährigen Bestehens der Loge „Absalom zu den drei Nesseln“, der Loge Nr.1, entnommen:
Im Abklang, in der Rubrik „Erkenntnisse für die Zukunft“ heißt es dort:
„…. Und was hat nun die Logenarbeit damit zu tun? Soviel, daß die Verantwortlichen der Loge es nicht damit genug sein lassen dürfen, neben der Tempelarbeit nur noch den gemütlichen Clubabend, das Heringsessen, den Gesellschaftsabend zu haben. … von den Logen wird auch verlangt, daß in ihnen die kommende Generation die Vorteile von Vorurteilslosigkeit, von gegenseitigem Miteinander und dem Vorteil des guten Kompromisses erfahren.“
Und weiter ist zu lesen, auf der letzten Seite bei der Aussicht in die Zukunft – verfasst 1987:
„… Zwar strömen in letzter Zeit in zunehmendem Maße jüngere Menschen in die Logen, aber diese Zugänge reichen kaum aus, um die immer noch herrschende Überalterung auszugleichen. Etwa 15.000 Freimaurer in der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin stellen eine verschwindend kleine Zahl dar.“
So wie das Handeln und Tun der Vorfahren die Gegenwart beeinflusst, so hat unser heutiges Handel und Tun Einfluss auf die eigene Zukunft sowie die unserer Kinder und Enkel.
Ein Beispiel aus der Praxis, ohne zu politisch zu sein:
Einflussreiche Persönlichkeiten schaltet eine ganzseitige Anzeige in verschiedenen deutschen Tageszeitungen und schon wird eine Steuer umbenannt und Kraftwerkslaufzeiten verlängert.
Zu lernen dabei: Entscheidend ist die Geschlossenheit einer Gruppe und die Entschlossenheit Einzelner, damit Zukunft mit gestaltet wird.
Die meisten Menschen überschätzen, was sie in einem Jahr tun können und unterschätzen, was sie in 10 Jahren tun können!
Auch bei KE wurde über Zukunft schon nachgedacht. So haben wir bei unserem letzen Treffen in Hermannsburg definiert: „Wo die Loge in 10 Jahren, also 2020 stehen will“.
Das Wesentliche zusammengefasst:
• Offener Umgang miteinander
• Beschäftigung mit aktuellen Themen – Randbemerkung: Was ist aktueller als die Zukunft?
• Zwischen 40 – 60 Mitglieder
• Geordnete Finanzen
• Evtl. eine Schwesterloge
• Außenwirkung, Loge Konrad Ekhof als geistiges Flaggschiff der Freimauerei
Aber, wie heißt es im Ritual bei Schließung der Loge? Seid wachsam auf Euch selbst. Andere haben sich auch schon Ziele gesetzt und Aussichten für die Zukunft gemacht.
In Anlehnung an „A Christmas Coral“ – Eine Weihnachts- geschichte von Charles Dickens, in welcher der alte Geizkragen Ebenezer Scrooge durch den Einblick in seine eigene Zukunft sein Leben und Verhalten ändert, wage ich nach meiner Einleitung ein zweites Szenario für die Zukunft der Freimauer in Deutschland.
In 50 Jahren ist die Freimauerei in Deutschland verschwunden. Wenn dann meine Kinder Ihren Enkeln von mir erzählen, werden sie berichten:
„Naja, an Donnerstagen da war Euer Uropa Abends nie für uns Kinder da. Was er da gemacht hat, das wissen wir auch nicht so genau. Es fühlte sich an, als ob er sich mit anderen sehr alten Männern traf und über verstaubte Themen sprach. Vielleicht wurde dabei auch Alkohol getrunken und euer Urgroßvater hat deswegen nie etwas erzählt. Nun, er fuhr, wie andere Menschen damals auch, noch selber Auto. So schlimm wird es also nicht gewesen sein.“

Keine Sorge meine Brüder, ich glaube heute mehr an meine Festschrift für 2036 – ich habe schließlich schon begonnen, an dieser zu arbeiten.
Passend scheint mir abschließend das Zitat von Goethe aus der Farbenlehre, in dem es heißt: „Denn es ist zuletzt doch nur der Geist, der jede Technik lebendig macht.“
Lasst uns rege geistige Entfaltung in unserer Loge üben und das neue Jahresthema „Zukunft“ vielfältig bearbeiten.

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