7. Januar 2015

Die Königliche Kunst

Aus dem Annahmeritual „ Mit Gunst grüße ich die königliche Kunst“.

Mit Verlaub,, ich grüße was?”. Warum grüße ich mit Gunst? Als angenommener Bruder kenne ich die königliche Kunst, ich wende mich ihr geistig aufgeschlossen und in positiver Gesinnung zu, ich wende mich dem Osten zu, dort wo der große Baumeister aller Welten seinen Platz hat, ich wende mich auch meinen neuen Brüdern zu, mit denen ich etwas Gutes teile, nämlich die königliche Kunst.

Der Begriff königliche Kunst (engl. Royal Art) steht in unserer jetzigen Zeit entweder für die Freimaurerei oder für die praktische Alchemie, mit der ich mich aber nicht befassen möchte. Somit bewegen wir uns auf dem Boden der Freimaurerei und fragen uns angesichts obigen Ausspruchs sind wir Günstlinge, die sich Wohlwollend und Tolerant dem nächsten wohltuend zuwenden wollen, auch dann, wenn uns in der Freimaurerei die gleichen Gedanken plagen wie im profanen Leben, nämlich, will ich tolerant, bösartig oder gut, gleichgültig oder neugierig sein, was die Freimaurerei natürlich auch kennt.

Das Freimaurerlexikon beschreibt die königliche Kunst.

Im symbolischen Sinne bezeichnet sich die Freimaurerei sehr nachdrücklich ebenfalls als die K. K., als eine Kunst, die für die Loge, eine Lehrstätte ist. Es ist die Kunst, ihre Jünger mit Hilfe der freimaurerischen Symbole zur Humanität zu erziehen. Für den einzelnen Bruder Freimaurer ist es die Lebenskunst sich in ernster Selbsterkenntnis also Selbsterziehung und harmonischer Lebensführung zu üben. Es ist eine Kunst die als höchstes Gebot die Liebe nennt eine Kunst, “die eigene Seele, wie die Menschheit zur Wohnung des Ewigen zu erbauen”.

Anderson ist 1723 diese Wortverbindung bereits derart geläufig, dass er an mehreren Stellen seiner historischen Einleitung von der “Royal Art” spricht. Das Wort von der K. K. erscheint dann wieder in der Beschreibung der Fortpflanzung der Freimaurerei durch Könige, Potentaten und Prinzen, die sogar bis nach Indien die K. K. verpflanzten. Im Laufe des Textes kommt das Wort noch wiederholt vor, bis schließlich die Geschichte der Andersonschen Constitutions mit einem Hochgesang auf die K. K. schließt: “The Royal Art duly cultivated and the Cement of the Brotherhood preserv’d, so that the whole Body resembles a well built Arch.” (Die königliche Kunst gebührend kultiviert mit dem Zement der Brüderlichkeit ähnelt in ihrer Gesamtheit einem schönen gebauten Gewölbe.)

Bleiben wir zunächst bei dem Wort „königlich“. Im deutschen Rechtswörterbuch, „ Wörterbuch der älteren deutschen Rechtssprache (Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften), finden wir folgende Erklärung:

„königlich; einem König zugeordnet, das Bertelsmann Universallexikon wird erläutert: König althochdeutsch Kuning, von Kunni „ Geschlecht, der Träger der höchsten monarchischen Würde nächst dem Kaiser, in manchen Völkerschaften auch der oberste Priester. Könige gab es schon in der Frühzeit.

Vom König zur Aristokratie (besten Herrschaft) also der Gebildeten also den Angehörigen einer Elite synonym für die Besten, Herrscher im besten Sinne.

Die Elite ist nicht einfach so erkennbar, sie muss gesucht werden, denn die besonderen Begabungen müssen zur Entfaltung gebracht werden, wozu eben auch die Selbstvervollkommnung zählt, „Die Arbeit am rauen Stein.“

Zerfällt die ständische Gesellschaft wird die „Intelligenz-Elite“ zur tragenden Säule der Wissenschaft. Sie ist dann das dynamische Element der Gesellschaft für eine vorübergehende Zeit. Seien wir jedoch wachsam auf uns selbst. Geistige Verformungen der Politik, der Gesellschaft bergen Gefahren, somit muss jeder Verformungsprozess von Misstrauen und dem Hinterfragen begleitet werden. Elite ist dynamisch und entwickelt sich, ein darüber hinaus gibt es nicht mehr, lediglich unter der Elite können sich Strömungen dagegen entwickeln.

Mit anderen einfacheren Worten:

Der Weg zur Vollkommenheit ist das Ziel,
wobei diese per Definition nie erreicht wird.

Wer die alten Pflichten schon einmal gelesen hat, erfährt durch James Andersen, dass die königliche Kunst die edelste und vornehmste aller Künste ist. Andersen deutete an in seinem Konstitutionsbuch von 1723 die Bauwissenschaft sei eben die edelste und vornehmste der Künste, sie baue den Tempel der Humanität, den Tempel Salomons, der einer Sage nach im Traum sich ein hörendes Herz wünschte, um auf das Recht zu hören, und Gott gefiel das.

Hegel spricht in seinen Vorlesungen nicht von der Kunst in der Natur, sondern vom Schönen in der Kunst die eigentlichste Darstellung der Wahrheit im absoluten des Geistes, denn nur dort findet sich das freie Denken.

Die Bruderschaft der Freimaurer existiert aus einer Unzahl von Kontrasten, sie lebt aber durch die Tat, auch durch das Wort. Und durch den Schutz der Logen wird jedem Freimaurer ermöglicht König über seine Gedanken zu sein und ihm wird Gedankenfreiheit gewährt, nicht immer eine Selbstverständlichkeit.

Die Freimaurerei ist nichts entbehrliches, nichts Willkürliches, sondern etwas notwendiges, schon im Wesen des Menschen gegründet. Freimaurerei hat nichts Willkürliches? Hat sie nicht Worte und Gebräuche welche alle anders sein können und folglich willkürlich sind? Das hat sie. Aber diese Worte und Zeichen und diese Gebräuche sind nicht die Freimaurerei. Es sind die Symbole die den Menschen den Bruder, unterstützen in der Übung an der königlichen Kunst, dies aus Ernst & Falk.

Die Freimaurerei als Lebenskunst kann ebenfalls als eine königliche Kunst bezeichnet werden, denn die Freimaurerei erkennt als ihr höchstes Gebot die Liebe, und dieses Gebot wird das königliche, d.h. das höchste, vorzüglichste genannt. JAK 2,8 „So ihr das königliche Gesetz vollendet nach der Schrift: Liebe deinen nächsten wie dich selbst“, so tut ihr wohl„.

Macckay nimmt in seinem Lexikon of Freemasonry an, dass die Maurerei eine königliche Kunst genannt wurde, nicht allein, weil sie ihre gegenwärtige Form aus den Händen Salomons, König von Israel, und Hirams, König von Tyrus erhalten habe, sondern namentlich wegen der Würde und Majestät der Grundsätze, die sie einprägt und die sie so hoch über alle anderen Künste erhebt.

Die Kunst ist kommunikativ und vermittelt etwas. Sie unterscheide sich daher von der bloß angenehmen Kunst der Spiele, „die weiter kein Interesse bei sich führen, als die Zeit unvermerkt verlaufen zu machen. Schöne Kunst dagegen ist eine Vorstellungsart, die für sich selbst zweckmäßig ist, und obgleich ohne Zweck, dennoch ist sie die Kultur der Gefühle.

Nach Johann Christian Gädicke (1763 Buchhändler, Publizist) besteht daher die Königliche Kunst darin Menschen zum Guten zu verleiten und vom Bösen abzuhalten, ohne bei der Gesetzesgewalt Zuflucht zu suchen.

Dazu haben Freimaurer eine Fibel den Katechismus und das Ritual, an denen sie sich orientieren kann, beide enthalten gewaltige Weisheiten, sie müssen nur erkannt werden.

Unser Freimaurerleben besteht aus Kontrasten, ich erblicke Elemente einer Maskerade, wir unterliegen kulturellen Bedingungen. Unser Ritual ist voller Geschichte.

Die Freimaurerei verdient es, als das dargestellt zu werden, was sie wirklich ist, ein Bund freier Menschen, die nach weiter nichts trachten, als die königliche Kunst zu üben, Menschen zusammenzuführen, die sonst nicht zusammenkämen.

Der Begriff „Kunst“ bezeichnet im weiteren Sinn die Anwendung angeborener oder erworbener Fähigkeiten in hochentwickelter, spezialisierter Form als „Können“ oder Kunstfertigkeit und das Resultat dieser Betätigung als Kunstwerk, sofern es durchschnittliche Leistungen übersteigt, was uns wieder zu Begriffen wie Elite und Selbstvervollkommnung führt.

Im Altertum ist der Begriff „Kunst“ etwas anders eingesetzt. Erwähnt werden dort sieben „Freie Künste“ oftmals durch eine sieben sprossige Leiter dargestellt. Sie umrissen in der Antike und im Mittelalter die Kenntnisse und Fertigkeiten die zur Unterrichtung eines freien Mannes als nötig erachtet wurden. Hierzu zählte auch im Mittelalter die bildende Kunst. Man lehrte diese Künste wohl in Klöstern, unterschied aber schon das Grundstudium und das weiterführende Studium.

Zusammenfassung:

Die Freimaurerische Geisteshaltung ist eine der Vollkommenheit zustrebende Denkweise, sich ständiger Selbstkritik unterziehend.
 
 

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